14. Juni 2020

Die Nacht in Cojimar

Die Nacht in Cojimar

Die Straße entlang der Küste war endlos und die Landschaft langweilig. Das Meer hatte man rechts zwar immer vor Augen, die Küstenlinie aber nur, wenn der Verlauf der Straße es zuließ. Links war die trostlose Leere, die ab und zu von ein paar Häusern unterbrochen, von ein paar Bäumen belebt und eine paar Hügel aufgelockert war, aber es gab nichts, auf das man länger hätte schauen mögen. Auf dieser Landstraße fuhren zwar nur wenige Autos, er musste aber trotzdem ständig aufpassen, denn recht oft taten sich wahre Abgründe vor ihm auf, tiefe Schlaglöcher, die den Reifen sicher schwer geschadet hätten, wenn er in sie hineingeraten wäre. Er musste die Hindernisse rechtzeitig erkennen und umrunden, das hielt ihn wach, das half ihm, gegen den Schlaf anzukämpfen, gegen das Blei hinter den Augenlidern. Das Schlafdefizit der letzten Nacht, in der er kaum ein Auge zugemacht hatte, machte sich nun bemerkbar, nur die wenig schönen Erinnerungen halfen, ihn wachzuhalten. Was hatte diese Tussi nur bewogen, ihn einfach sitzen zu lassen, nachdem er lange mit ihr geflirtet, nachdem er sie zum Essen eingeladen hatte, nachdem sie auch noch bereit war, auf einen letzten Drink in die letzte Bar mitzukommen, die noch offen war und dort auf ihr gemeinsames Wohl anzustoßen. Die Aussicht, dass ein schöner Abend noch lange nicht zu Ende war, beflügelte ihn und er war um so enttäuschter, als sie plötzlich, ohne erkennbaren Grund verkündete, dass sie gehen müsse. Es sei sehr schön gewesen mit ihm, er sei ein netter Mann, aber nun müsse sie wirklich gehen, es täte ihr leid, aber sie könne nicht länger bleiben. Während sie ihr Handy herausholte, eine gespeicherte Nummer wählte, lächelte sie ihn bezaubernd an. Alle Versuche, sie zu überzeugen, doch noch etwas zusammen zu unternehmen, zum Beispiel in sein Hotelzimmer zu wechseln, halfen nichts. Schon kurz darauf hielt ein Auto vor dem Lokal und sie verabschiedete sich, mit einem weiteren Lächeln, aber ohne Küsschen, das bekam der Fahrer des Wagens, wie er durch die spiegelnden Scheiben des Lokals so halb mitbekam. Er war frustriert und ratlos und brauchte etwas als Trost, konnte aber nur mit Mühe noch einen letzten Drink ergattern, er war der letzte Gast und der Barmann wollte seinen Laden schließen. Der Abend, der so nett und Erfolg versprechend begonnen hatte, endete nun fast noch mit einem Rauswurf. Die Nacht im Hotel verbrachte er mit quälenden Gedanken, was er wohl falsch gemacht hatte, warum er soviel Zeit und Energie vergeblich investiert und einiges Geld nutzlos vergeudet hatte.

Diese Gedanken quälten ihn auch auf der Landstraße noch immer, der Frust ließ ihn einfach nicht los und dazu kam die Müdigkeit, die ihm immer mehr zusetzte. Um den Qualen zu entkommen, suchte er eine Möglichkeit, das Auto abzustellen und sich auszuruhen. Lokale oder Rastplätze gab es keine, aber zumindest wollte er das Meer betrachten können, die weißen Schaumkronen auf den bleigrauen Wogen, darüber ein grau verhangener Himmel, alles war wenig einladend, alles reichlich trostlos, eine Stimmung, die seinem Gemütszustand ziemlich gut entsprach. Dann sah er das Gebäude auf der kleinen Halbinsel und bog nach rechts ab. Ein Schild an der Kreuzung verhieß Gaumenfreuden: «Casa de la cáscara – excelente comida, excelentes bebidas», aber beim Näherkommen sah er, dass das Haus leer und verlassen war. Vom Parkplatz führte eine kleine Steinbrücke zum Eingang, der Weg war mit Latten versperrt, die kreuzweise übereinander genagelt waren. Aber Andere hatten auch schon in das Haus gewollt, die Latten waren verschoben, die Lücke groß genug und so war es kein großes Problem, das Hindernis zu überwinden. Dann stand er staunend in diesem seltsamen Haus, in diesem Traum, der wohl nie in Erfüllung gegangen war oder schneller ausgeträumt war, als sein Besitzer geglaubt hatte. An vielen Wänden waren Muscheln eingelassen, die Theke war bedeckt mit Muscheln, auf den Böden braune Fliesen mit Muschelbildern. Es gab keine Fensterscheiben, es gab keine Türen, nur ein großer, offener Raum, der zum Meer hin in eine kleine Terrasse überging. Die Gischt hatte den Boden an manchen Stellen feucht und rutschig gemacht, an den Wänden, die nicht mit Muscheln bedeckt waren, sondern mit grobem, weißem Putz, hatten sich grüne Flächen von Algen gebildet. Trotzdem hatte er nicht das Gefühl, dass der bejammernswerte Zustand durch Zerfall entstanden war, sondern weil man die Arbeiten kurz vor Vollendung eingestellt hatte. Er betrachtete die vielen Muscheln eingehend, dann setzte sich auf die niedrige Brüstung der Terrasse und schaute auf das Meer und gab sich seinen Gedanken hin, die nun um diesen wundersamen Ort kreisten und nicht mehr um das entgangene Vergnügen in der letzten Nacht.

Nach einer guten Stunde fühlte er sich wieder frisch und genügend ausgeruht, um die Fahrt fortzusetzen. Die Einsamkeit der Landschaft wurde nun zunehmend durch Häuser und Ortschaften unterbrochen. An der steinigen Küste tauchten kleine Strände mit Sand auf, die an schönen, warmen Sommertagen bestimmt bevölkert waren, aber an diesem nebeligen Tag war kein Mensch weit und breit. In einem der Badeorte stellte er sein Auto ab und ging durch die Straßen. Er hatte vorgehabt, die Nacht nicht in der großen Stadt, dem eigentlichen Ziel seiner Reise zu verbringen, sondern sich schon vorher einen hübschen, ruhigen Ort am Meer zu suchen. Warum nicht hier, hier gab es Ruhe und Abgeschiedenheit. Auf ein weiteres Abenteuer, auf neuen Frust konnte er gut verzichten. Aber zum einen war der Strand sehr hässlich, voller Plastikmüll und ohne jeden Charme und zum anderen, fand er nichts, wo er hätte übernachten können. Die Gästehäuser schienen unbewohnt, kein Hotel, in dem er hätte fragen können, kaum Menschen auf den Straßen, die ihm hätten helfen können. Nur eine etwas seltsame Begegnung unterbrach die Lethargie und die Trostlosigkeit dieses ausgestorbenen Badeortes. Eine kleine Gruppe kam ihm entgegen, zwei Frauen, ein paar Kinder. Sie trugen Taschen und Strohmatten, vielleicht kamen sie vom Strand. Als er an ihnen vorbei gehen wollte, blieben sie stehen und betrachteten ihn neugierig, aber auch irgendwie herausfordernd. Dann sprach ihn die ältere der Frauen an. Ob er hier ein Ferienhaus habe, ob es ihm hier gefalle, ob er die Nacht hier verbringen würde. Seine Antworten nahm sie kaum zur Kenntnis, sie hatte augenscheinlich nur an einer Antwort Interesse, nämlich auf die Frage, ob er eine Begleitung für die Nacht brauche. Dabei wiese sie mit einer Handbewegung auf die jüngere Frau, eine dickliche, schüchtern wirkende Person, die sich etwas abseits hielt und ihn verstohlen, aber interessiert betrachtete. Sie war bestimmt höchstens Anfang zwanzig und alles andere als attraktiv. Er musste nicht lange zögern, musste sich nicht einmal überlegen, ob ihm die ältere Frau hier auch eine Wohnung vermitteln konnte, um dankend abzulehnen. Nein, auf eine solche Kuppelei würde er sich nicht einlassen. Er schüttelte mit dem Kopf, die Frau nahm es gleichmütig zur Kenntnis und die Gruppe setzte ihren Weg fort, das abgewiesene Mädchen dreht sich noch einmal nach ihm um und zuckte bedauernd mit den Schultern, dabei lächelte sie süßlich, als hoffe sie, er würde seine Meinung doch noch ändern.

Er fuhr weiter und kurz darauf sah er das andere Mädchen. Es stand an der Straße und wollte mitgenommen werden. Sich per Anhalter von einem Ort zum nächsten zu bewegen, war hier eine Notwendigkeit, da es kaum öffentliche Verkehrsmittel gab und die wenigen Busse anscheinend nur für Touristen da waren. Sie hob die Hand, er hielt an, sie stieg ein und sie wechselten ein paar belanglose Worte. Doch auf einmal kam ihm der Gedanke, dass sie ihm vielleicht helfen konnte, ein Haus zu finden und damit die Möglichkeit, doch noch den Rest des Tages und die Nacht am Meer zu verbringen. Er erklärte ihr etwas umständlich seinen Wunsch, fragte sie, ob sie etwas kenne, meinte sie nur, das sei kein Problem, aber vielleicht hatte sie ihn gar nicht richtig verstanden, denn es war dann doch ein Problem. Als er an der nächsten Kreuzung abbog und sie kurz darauf die Ortschaft Cojimar erreichten und sie fragte, wo er nun hinfahren solle, schaute sie ihn nur fragend an. Es stellte sich heraus, dass sie noch nie hier gewesen war, dass sie sich hier nicht auskannte, keine Ahnung hatte, wo es Wohnungen gab, dass sie aber fragen wollte. Er hatte Glück, es gab nicht viele Ferienwohnungen, aber die, zu der sie ihn schließlich gelotst hatte, war frei und sie gefiel ihm. Sie war auf dem Dach des Hauses und sowohl die Einrichtung als auch der Blick auf das Meer gefielen ihm. Er sagte zu der Vermieterin, als er wieder unten war, dass er eine Nacht lang bleiben würde. Sie holte die Unterlagen aus einer Schublade, in die man seine Personalien eintragen musste, er gab ihr seinen Pass und irgendwie war es völlig klar, ohne dass ein Wort gefallen oder gar eine Frage gestellt worden wäre, dass die junge Frau bleiben und die Nacht mit ihm verbringen würde, den auch sie gab der Hausbesitzerin ihr Carnet. Allenfalls war ein kurzer, um Zustimmung heischender Blick getauscht worden, dann lag auch schon den Block vor ihnen, auf dem sie beide unterschreiben sollten. Er holte sein Gepäck aus dem Auto und beide stiegen wieder die Treppen hoch und erst jetzt, als beide in der Wohnung waren, fragte er das Mädchen nach seinem Namen. Yaima, war die Antwort.

Es war nun später Nachmittag und es hatte begonnen leicht zu regnen, trotzdem gingen sie hinaus und in Richtung zu dem kleinen Hafen, Yaima posierte für Fotos, um die er sie bat, sie tat es mit Vergnügen, vor allem vor dem Denkmal von Hemingway, der ein paar entscheidende Jahre seines Lebens hier verbracht hatte. Erst jetzt hatte er Zeit und Muße, Yaima genauer zu betrachten. Sie sah durchaus ansprechend aus. Er schätzte ihr Alter auf Mitte zwanzig, sie war schlank, mittelgroß mit einer guten Figur. Ihr Busen war weder zu groß noch zu klein, die Taille lud ein, sie zu umarmen, ihr Hintern zeigte eine ansprechende, angenehme Rundung. Sie trug einen sehr kurzen Jeansrock und ein blaues, leicht ausgeschnittenes T-Shirt mit dem Schriftzug «Hello Kitty» und dem Bild einer singenden Katze. Ein großer silbern glänzender Schmetterling an einem Kettchen zierte den Ausschnitt. Ihre Beine waren lang, wohl geformt und nackt, an den Füßen hatte sie einfache Flipflops. Ihre braune Haut kam auf den Beinen und den Armen, die einige einfache Metallringe zierten, bestens zum Ausdruck. Sie hatte lange, tiefschwarze Haare, in denen eine einfache Spange in Form einer bunten Blume steckte. Am besten aber gefiel ihm das Gesicht dieser Frau, das einen ganz leichten Indioausdruck hatte. Es zeigte, dass sie schon einiges erlebt haben musste, dabei war es nicht ausgesprochen hübsch, jedenfalls war sie keine eingängige, oberflächliche Schönheit, aber es war ausdrucksstark und interessant und in ihren dunklen Augen, die ihn immer etwas skeptisch, interessiert und neugierig anschauten, seinem forschenden Blick aber durchaus standhielten, hätte er manches Geheimnis ergründen wollen. Aber ihre gemeinsame Zeit war begrenzt, das wusste er und das wusste auch Yaima. Sie hielten sich nicht allzu lange am Strand auf, , weil Yaima ihm gestand, dass sie heute noch nichts gegessen habe, von einem Brot zum Frühstück abgesehen und dass ihr Hunger sehr groß sei. Obwohl auch er seit dem Frühstück nichts gegessen hatte, das aber sehr opulente gewesen war, hatte er kaum Hunger, denn er hatte seine Nahrungsaufnahme weitgehend auf das Frühstück und das Abendessen begrenzt, mittags reichte ein Sandwich, ein paar Bananen oder ein Stück Pizza, das meistens nur nach Pappe mit Tomatensoße und langweiligem Käse schmeckte, und das Essen am Abend fand meistens erst reichlich spät statt. Aber als Yaima fragte, ob er ihr eine Pizza oder etwas Ähnliches kaufen könnte, sagte er, dass auch er hungrig sei und sie in ein Restaurant gehen würden. Es gab nur eins am Ort, aber es machte einen guten Eindruck und so bestellten er für beide eine große Fischplatte mit vielen Beilagen, weil auch sie, genau wie er, Fische und Meeresfrüchte liebte. Sie saßen in einer Nische, hinter Yaima war eine Urwaldlandschaft an die Wand gemalt, davor echte Pflanzen und Blumen drapiert und auch ein Wasserfall installiert, der leise, fast einschläfernd plätscherte. Er fühlte sich in Gesellschaft von Yaima wohl und es war ihm nicht langweilig, obwohl die Verständigung mühsam war. Während sie auf das Essen warteten und Bier tranken, betrachtete er sie sehr interessiert. Sie hatte, kaum dass sie Platz genommen hatten, ihn gebeten, Zigaretten zu kaufen. Sie rauchte sehr viel, stellte er fest, war ziemlich fahrig und nervös, und wenn sie nicht rauchte, lutschte sie gern an einem Finger oder nagte an den Nägeln, die alle ziemlich kurz und ohne Lack waren. Auch ihr Mund zeigte keine Spuren von Lippenstift. Er stellte ihr die eine oder andere Frage, wollte wissen, was sie so tat, ob sie Arbeit habe oder einen Freund, aber Yaima war nicht besonders redselig und so vertrieb er sich die Zeit, sich seine Gedanken zu machen und eigene Geschichten zu erfinden, die diese junge Frau durchgemacht haben könnte, denn ihr Gesicht lud zum spekulieren ein. Yaima ertrug seine Blicke, ohne unruhig oder ungeduldig zu werden, ohne sich ihnen zu entziehen oder gar verlegen zu werden. Nur einmal fragte sie, warum er sie so lange anschaute, was denn so besonders an ihr sei. Seine Antwort, dass sie ihm einfach gefalle und er sie deshalb gerne anschaue, reichte ihr anscheinend, denn sie fragte nicht weiter. Dann kam das Essen, es waren in der Tat imposante Portionen und es schmeckte sehr gut. Mit großem Appetit aßen sie alles auf, was auf den Tisch gestellt worden war und tranken dazu einige Dosen Bier, das herrlich kühl, den idealen Kontrast zu der Urwaldlandschaft und der warmen Schwüle im Raum bildete.

Als sie mit dem Essen fertig waren, brach bereits die Dämmerung an. Er schlug vor, sie sollten sich noch ein paar Kleinigkeiten für das Frühstück kaufen, denn die Vermieterin hatte gesagt, dass sie keines servieren würde, aber in der Wohnung gäbe es die Möglichkeit selbst zu kochen. Sie kauften Brot, Kekse, eine Konserve mit gekochtem Schinken, Eier, ein Glas Mayonnaise, Pulverkaffee und dazu noch ein paar Dosen Bier für die Nacht und zwei große Flaschen Wasser. Zurück in der Wohnung gab es nichts mehr, was sie hätten tun können, nichts mehr, was ihn abgehalten hätte, das anzugehen, was ihm selbstverständlich schien, und mit dem eine junge, durchaus attraktive Frau rechnen musste, wenn sie freiwillig mit einem Mann die Wohnung und dann wohl auch noch das Bett teilte. Aber Yaima hatte andere Vorstellungen als er und zunächst einmal hatte sie den Wunsch, fernzusehen. Das Gerät im Zimmer war ein uraltes Röhrengerät, das nur ein Bild in Schwarz-weiß anzeigte. Der Ton war krächzend, blechern und das Gesagte war für ihn absolut unverständlich. Aber Yaima war fasziniert, sie hatte es sich in einem der beiden Sessel bequem gemacht, knabberte Kekse, trank warmes Bier mit kleinen, gleichmäßigen Schlucken und stand nur auf, um eine Zigarette am offenen Fenster zu rauchen, weil er ihr klargemacht hatte, dass er Rauch im Zimmer nicht mochte. Sie verfolgte eine Seifenoper und musste mehrfach herzlich lachen, während ihm die Handlung völlig egal war und er auch keinen Versuch machte, ihr zu folgen. Er hatte sich in den zweiten Sessel gesetzt und den so hingestellt, dass er Yaima gut beobachten konnte. Das schien sie wieder nicht zu stören, sie ignorierte ihn und seine Blicke, sie war ganz gefangen von der vermutlich höchst trivialen und banalen Handlung in der Glotze. Er dagegen war gefangen von der jungen Frau auf dem Sessel, die ihre hübschen Beine hochgezogen hatte. Er versuchte immer, wenn sie die Stellung wechselte, einen Blick unter den Rock bis zum Slip zu erhaschen. Und wenn sie sich vorbeugte, um die Bierdose auf den Fußboden zu stellen oder sie von dort wieder hochzunehmen, versuchte er in dem Ausschnitt mehr als nur den Ansatz ihres Busens zu erkennen. Aber auch hier sah nicht viel, er stellte sich jedoch vor, wie diese Brüste sein müssten, die in dem weißen BH darauf warteten, von seinen Händen gestreichelt, von seiner Zunge liebkost zu werden. Auch ihre Brustwarzen stellte er sich vor, die sicher ganz groß und dunkelbraun waren und durch seinen Eifer aufblühen würden. Er hatte schon gesehen, wie sie sich auf dem blauen T-Shirt abgezeichneten.

Dieser Anblick und diese Gedanken stimmten ihn froh und es war kein Problem, die Zeit zu überbrücken, bis die lange und für ihn langweilige soap opera endlich zu Ende war. Nun folgte eine Diskussion, aber die interessiere Yaima nicht, und weil dies das einzige Programm war, das empfangen werden konnte, schaltete sie den Fernseher aus. Dann streckte sie sich und gähnte und verkündete, dass sie nun reichlich müde sei und dass sie schlafen wolle. Irgendwelche Anstalten, sich ihm zu nähern, der immer noch in seinem Sessel saß und sich an seiner Bierdose festhielt, machte sie nicht und auch er hatte in diesem Moment keine Lust, einen direkten Annäherungsversuch zu starten. Es kam ihm vor, als seien sie ein älteres Ehepaar, das sich entschlossen hatte, am Ende eines nichtssagenden, unaufgeregten Tages das Bett aufzusuchen, das beiden keine großen Überraschungen mehr bot und nur noch ein angenehmes Lager für eine ruhige Nacht darstellte. Eigentlich hätte er ja viel geiler sein müssen, dachte er, während Yaima ins Bad ging und ihn vor dort aus fragte, ob sie seine Zahnbürste benutzen dürfe. Eigentlich hatte er doch fest damit gerechnet, dass diese Frau, die so selbstverständlich bei ihm geblieben war, auch anstandslos mit ihm schlafen würde, dass sie mehr von ihm wollte, als nur seine Zahnbürste. Er fand weiter, dass eine solche Frau in solch einer eindeutigen Situation mindestens genauso geil sein müsste wie er. Er erwartete geradezu, dass sie den ersten Schritt machte, um ihn aufzugeilen. Wie konnte es sein, dass er selbst gar nicht besonders scharf war? Ja, er war ein wenig erregt, er spürte, wie sein Penis steif wurde, aber mehr nicht, dieses unbedingte, gierige Verlangen, das man in solch einer Situation haben musste und das er nur aus billigen Pornos kannte, übermannte ihn einfach nicht.

Yaima hatte das Zähneputzen beendet, saß nun auf dem Klo und pinkelte, ohne die Tür zum Bad zu schließen und fragte ihn nun, ob er ihr eines seiner T-Shirts als Nachthemd leihen könnte, eines von denen, die sie in seinem Koffer gesehen hatte, die seien so schön groß und sie würde den Stoff gerne an ihrem Körper spüren und es sei auch schön zu wissen, dass er es getragen habe. Er ging zum Koffer, nahm das Braune, auf dem der Tempel von Angkor Wat abgebildet war, und reichte es ihr. Dabei sah er sie fragend an, aber entweder verstand sie seinen Blick nicht oder sie kam gar nicht auf die Idee, dass er ein Mann war, der etwas von ihr wollte. Nachdem sie mit ihrem Geschäft fertig war, zog sie den engen Jeansrock mit etwas Mühe nach unten und streifte dann ganz unbekümmert ihr T-Shirt über den Kopf. Der weiß-graue BH, den sie trug, war ziemlich eng, ihre Brüste wölbten sich über die Kante, sie waren aber nicht so groß, wie er es sich ausgemalt hatte. Seine Hoffnung, dass sie den BH ablegen würde, erfüllte sich nicht, sie behielt ihn an, genauso wie den blau-weiß gestreiften Slip. Dann schlüpfte sie in sein T-Shirt, das in der Tat sehr reichlich war und in etwa dort über dem Knie endete, wo auch schon ihr Rock geendet hatte. Sie schien keine Notwendigkeit einer Dusche zu sehen, sie war fertig für die Nacht und sagte, nun könne er das Bad benutzen. Vielleicht hatte sie auf das Duschen verzichtet, um nicht nackt vor ihm stehen zu müssen. Er starrte sie ein wenig fassungslos an, war das alles oder wartete sie nur, bis beide im Bett waren. Er überlegte auch, ob es nun an ihm war, einen entscheidenden Vorstoß zu machen, ihr klar zu machen, dass er mehr wollte, als nur an ihrer Seite zu liegen.

Sie nahm ihm jedoch die Entscheidung ab, denn anscheinend hatte sie gemerkt, was er von ihr wollte oder sie hatte selbst Lust bekommen, jedenfalls anstatt in das Schlafzimmer zu gehen, trat sie ganz dicht an ihn heran und umarmte ihn. Ihre Hände umfassten seinen Nacken und ihr Oberkörper drückte sich an den seinen, dann küsste sie ihn. Obwohl sie sich gerade die Zähne geputzt hatte, schmeckten ihre Küsse nach Rauch, nach Zigaretten und Nikotin. Aber es war auch der aufregende Geschmack einer Frau, der Sehnsucht weckt und die Freuden verheißt. Sie küssten sich lange, ihre Zungen arbeiteten intensiv in ihren Mündern. Sie hielt die Augen geschlossen und stöhnte. Er hatte sie ebenfalls umarmt, seine Hände tasteten ihren Körper ab, fanden ihren festen Hintern und ihre straffen Brüste in dem engen BH. Er stellte fest, wie sich ihr Körper unter seinen Berührungen bog und wendete, sich von ihm löste, um sich gleich darauf um so fester an ihn zu schmiegen. Nach einer Weile des leidenschaftlichen Küssens begann sie, an seinem T-Shirt zu zerren und an seinem Hosengürtel zu nesteln, während er ihr sein eigenes T-Shirt wieder auszog, den BH öffnete und schließlich auch ihren Slip abstreifte. Dann lagen sie nackt im Bett und kämpften. Yaima war keine Frau, die sich so einfach hingab, sie wollte erobert werden und fast glaubte er, sie wolle ihn verarschen oder mit ihm ein perfides Spielchen treiben, weil sie einfach nicht festzuhalten war, weil sie sich ihm immer wieder entwand, ihm ihren schlanken Körper entzog, sich aber trotzdem an ihm festhielt, ihn weiter küsste, ihm weiter Nikotin und Tabakgeschmack in seinen Mund übertrug. Sie war ein Rätsel, weil es eigentlich nur noch darauf ankam, eine Position zu finden, die für beide angenehm war, damit er endlich in sie eindringen und das Finale beginnen konnte, aber sie fanden keine oder Yaima wollte keine finden oder wollte ihn gar nicht vögeln, obwohl ihr heißer, schwitzender Leib wieder einmal ganz dicht an dem seinen war. Aber als er versuchte, sich auf sie zu legen, presste sie ihr Oberschenkel so eng zusammen, dass er nicht einmal mit seiner Hand bis zu ihrer Muschi vordringen konnte, geschweige denn mit seinem harten Schwanz Erfolg hatte. Ja, er hätte seine überlegenen Körperkräfte einsetzen können, sie gegen ihren Willen nehmen können, sie vergewaltigen können, aber Gewalt lag ihm ganz und gar nicht und wahrscheinlich hätte er auch damit sein Ziel nicht erreicht, denn sie war sehr schnell und sehr beweglich und kaum längere Zeit in der gleichen Position zu halten. Jedenfalls ging der Kampf hin und her und am Ende so aus, dass sie sein steifes Glied mit einer Hand umfasste, während sie ihn mit der anderen auf Distanz hielt. Dann drückte und rieb sie es und schon nach kurzer Zeit kam er, fast ungewollt, aber mit einem deutlichen Orgasmus. Danach legte sich seine Ekstase rasch und ganz von selbst. Er schwitze immer noch, aber sein Atem wurde langsam wieder normal. Yaima musste auch etwas empfunden haben, denn als er kam, hatte sie aufgeschrien, vielleicht machte sie ihm auch nur aus Sympathie etwas vor oder meinte, dass sie ihm das zumindest schuldig sei. Jetzt lag sie neben ihm auf dem Rücken und machte einen ganz zufriedenen Eindruck. Nach einer Weile stand er auf und ging sich duschen und als er zurückkam, hatte sie sich von ihm weg auf die Seite gerollt und schlief tief und fest, wie er an ihren gleichmäßigen Atemzügen merkte und an den Schnarchlauten, die sie von Zeit zu Zeit von sich gab. Er legte sich neben sie und es war ihm nicht so ganz klar, ob er zufrieden oder enttäuscht war.

Jedenfalls hatte er die ganze Nacht nicht geschlafen, hatte neben ihr gelegen, ihrem Atem gelauscht, die Wärme ihres Körpers gespürt, ihre braune Haut manchmal leicht mit seiner Hand berührt. Es war die zweite Nacht ohne Schlaf und der Grund war ähnlich, aber er war doch in einer deutlich besseren Situation, mit einer attraktiven, wenn auch schlafenden Frau an seiner Seite. Als die Sonne aufging, stand er auf, ging ins Bad, zog sich an und begann das Frühstück zuzubereiten. Um zu wissen, ob und wie sie ihre Eier wollte, weckte er sie, indem er sie an der Schulter leicht schüttelte. Sie schaute ihn verwirrt an, schien aus tiefem Schlaf erwacht zu sein und brauchte ein paar Sekunden, um sich zu orientieren. Ja, Spiegeleier seien ihr Recht und auch Kaffee. Dann stand sie auf und ging ins Bad, um die Dusche nachzuholen, die sie am Abend ausgelassen hatte. Als sie zurückkam, hatte sie sich wieder sein braunes T-Shirt übergestreift, das sie nun doch nicht in der Nacht angehabt hatte. Sie frühstückten schweigend und mit gutem Appetit. Dann packte er die paar Sachen zusammen, die ihm gehörten. Ja, die Lebensmittel würde sie sehr gerne mitnehmen, beantwortete sie seine Frage, kaum dass er sie gestellt hatte. Und sie habe noch einen Wunsch, fügt sie hinzu, aber vorher wollte sie sich noch bei ihm bedanken, für die Nacht, für das Essen, aber ganz besonders, weil er nicht versucht habe, sie mit Gewalt und gegen ihren Willen zu vögeln, weil er mit dem zufrieden gegeben hatte, was sie ihm gern und freiwillig gegeben habe. Aber sie wisse sehr gut, dass sie ihm mehr schulde und sie wisse nun auch, dass er ein anständiger Mann sei. Jetzt könnten sie zusammen schlafen, wenn er es immer noch wollte, jetzt sei sie bereit und würde es gern mit ihm machen. Er war perplex, damit hatte er nicht gerechnet. Natürlich nahm er ihr Angebot an und sie zogen sich wieder aus und gingen noch einmal in das Bett. Sie liebten sich und es war schön und beide erlebten einen durchaus ordentlichen Orgasmus. Aber die prickelnde Exotik des seltsamen Kampfes vom Abend zuvor hatte sich nicht eingestellt und fragte sich, welcher Akt der interessantere gewesen war und auch, ob er jetzt wirklich zufrieden war.

Sie fuhren in ein nahegelegenes Einkaufzentrum. Er kaufte ihr Unterwäsche, die sie gleich anprobierte. Von der Kabine aus rief sie ihm zu, er solle hereinschauen und ihr sagen, ob sie ihm an ihr gefalle. Dann bekam sie noch einen Rock und ein neues T-Shirt und auch ihren großen Wunsch, den sie ihm am Frühstückstisch ins Ohr geflüstert hatte, erfüllte er ihr, ein paar Turnschuhe, die ersten in ihrem Leben, wie sie ihm mit Tränen in den Augen gestand. Dann ging es weiter in die Stadt, zu seinem Hotel, in dem er schon lange vorher ein Zimmer reserviert hatte. Sie lehnte jedoch sein Angebot ab, mit ihm das Zimmer für eine weitere Nacht zu teilen. Das sei für sie wegen der Polizei zu gefährlich, die hier überall Augen und Ohren habe, aber sie könnten sich am Abend noch einmal treffen, sie würde sich gerne noch einmal zum essen einladen lassen. Dann ging sie und entschwand aus seinem Leben. Sie kam am Abende nicht zu dem vereinbarten Treffpunkt, er hatte keine Telefonnummer und kannte nur ihren Vornamen. Am nächsten Tag flog er zurück in seine kalte Heimat.

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